Orientierung?

Der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, heisst, sich den Realitäten zu stellen. So schlimm ist das nun auch wieder nicht. Fakt ist, der Mutterkonzern Newtek hat sich intern längst von seinem einstigen 3D-Vorzeige-Kind LightWave losgesagt. Die Core-Entwicklungsphase und die Gründung einer LW Group waren nette Versuche, aber am Ende blieben nur viele Worte und wenig dahinter. Wahrlich heldenhaft hatte sich Rob Powers zwischendurch noch mal in die Bresche geworfen und einen kleinen Neustart gewagt. Gut gemacht, Rob, wirklich Klasse! Zeitweilig hattest du uns wieder Mut eingeflösst, dafür war dir die Community echt dankbar. Das war wie eine „Zeit des Erwachens“ für uns alle. Inzwischen hast aber auch du dich wohl klammheimlich wieder vom Acker gemacht. Was solls, cest la vie. Wir wollen nur Klartext reden. Lino hält noch die Stellung, Hut ab, das ist einer der schwierigsten Jobs, so zwischen allen Fronten zu hocken, wir wissen das. Draussen brodelt einstweilen die Gerüchteküche, dass irgendwo Verkaufsverhandlungen für unser geliebtes LightWave laufen sollen, doch diese zögen sich ewig hin und ein positives Ergebnis wäre längst nicht sicher. Und soweit es auf der einen Seite auch verständlich erscheint, dass man über ungelegte Eier nicht spricht, so fühlt sich auf der anderen Seite die immer noch stattliche, aktive und solidarische LW-Community zunehmend verscheissert. Seit zwei Jahren sitzen wir nun auf dem Trockenen. Rien ne va plus – Nichts scheint mehr zu laufen. Artig produzieren wir uns gegenseitig noch ein paar Erfolgsmeldungen und klopfen uns ansonsten nostalgisch angehaucht auf die Schultern. Am Ende aber steht jeder Einzelne vor schwierigen Entscheidungen : Wie geht es weiter? Wie soll man sich als gestandener LWaver künftig ausrichten? An dieser Stelle treten dann gern die Gutwilligen und Sesshaften ins Zentrum der Arena und tönen optimystisch : „Das gute, alte LightWave ist immer noch ein praktischer und mächtiger 3D-Werkzeugkasten, besonders dank der vielen externen Plugins. Lotet das Programm doch erst mal richtig aus, ihr Luschen!“ Und sie haben sogar recht. Etliche kleine Studios können ihr Tagesgeschäft mit dem alten Equipment gewiss noch eine Weile aufrecht erhalten. Aber seien wir doch mal ehrlich, darum gehts nicht. Es geht auch nicht um falsche Sentimentalitäten, es geht schlicht und ergreifend um eine nachhaltige, längerfristige, sichere Orientierung am 3D-Markt. Es geht um zeitgemässe Features, um bei seinen Animationsergebnissen mit anderen Programmen mithalten zu können, um Schnittstellen-Optionen zu anderen Studios und Pipelines und um Anwendungskenntnisse die auch heutigen Arbeitgeberanforderungen entsprechen. Die Branche ist hart und die Zeiten sind schnelllebig. Stillstand in der Entwicklung ist tödlich, die anderen Boliden rennen uns, allein schon rein Feature-technisch gesehn, längst davon. Da sind ehrliche Antworten gefragt, offene Statements, klare Ansagen. Schluss mit dem Gemauschel. Das sind wir (uns) wert. Also rufe ich euch jetzt und hier mal zu : „Orientiert euch einfach, erweitert euch .. aber bleibt euch und uns treu!“  🙂

2 Gedanken zu “Orientierung?

  1. So traurig es auch ist, danke, dass Du es so offen aussprichst. Die Vermutung hatten sicherlich viele schon, dass es eine Weiterentwicklung von LightWave nicht mehr lange geben wird. Deinem letzten Satz stimme ich vorbehaltlos zu…

  2. Als Neuling fehlt mir natürlich viel Background, daher bin ich dankbar für diese offenen Worte und hoffe dass LW am leben bleibt.

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