LW-Erfinder : Hastings & Ferguson

Ein weiteres Kapitel LightWave & modo Geschichte :

Vor langer Zeit, in einer weit entfernten Galaxie, besuchten einst zwei 14-jährige Freunde ein Kino und schauten sich den ersten Teil der ursprünglichen Star-Wars-Trilogie an. Einer der beiden hatte den Streifen bereits 14 mal gesehen und der andere war wohl auch nicht sehr weit von dieser Anzahl entfernt. Allen Hastings und Stuart Ferguson waren besessen von Sci-Fi-Filmen, von den guten und selbst von den schlechten. In der Schule machten sie damals erste Programmier-Übungen auf einem HP3000-Timeshare-Computer. Wenn sie ein paar Jahre jünger gewesen wären, hätten sie wohl Star Wars gespielt, wie andere Cowboy und Indianer, diese Beiden aber wollten etwas erschaffen.

Bewaffnet mit jenem alten Rechner schrieben sie in BASIC ein Programm namens `Trench Run´, um eine spezielle Szene aus ihrem Kult-Film neu zu erstellen. Sie druckten Bilder des Todessterns und des Ringgrabens per Teletype-Drucker mit einer Blisterrate von 10 Zeichen pro Sekunde (was etwa drei Minuten pro Bild entsprach) auf eine Papierrolle, wobei die Bilder noch vollständig aus Plus-Zeichen aufgebaut wurden. Allen kümmerte sich um die Kodierung, während Stuart an der Mathematik für die Transformationen arbeitete. Dieses System könnte man heute wohl Allen`s erste Render-Engine nennen. Aber all das reichte ihnen noch nicht, sodass Allen schon bald darauf seinen ersten eigenen PC erwarb, einen Commodore PET und auch Stuart zog mit. Der PET schaffte eine Auflösung von 320 x 200 Pixeln mit allerdings nur einem Bit Tiefe. Das war immerhin genug, um erst Punkt- & Linienzeichnungen und später 3D-Wireframes auf dem Bildschirm darzustellen. So gelang es ihnen, mit einer 8-mm-Kamera vom Bildschirm  Animationen abzufilmen, indem sie jedes Einzelbild erfassten, bevor das nächste Frame gerendert wurde. Stuart und Allen liebten es, solche Filme zu machen. Als großer Fan von Ray Harryhausen versuchte Stuart, sein Idol nachzuahmen, indem er StopMotion-Filme mit Claymation und Haushaltsgegenständen erstellte. Er bastelte neue Raumschiff-Modelle aus unterschiedlichen Bausätzen und Teilen zusammen, erstellte Licht-Setups und Bewegungs-Rigs mit Spezialeffekten und mehreren Belichtungen, physikalischen Kratzern und Grading. Sein Space-Epos sollte einige Jahre seiner Freizeit in Anspruch nehmen. ..

Allen Hastings, Brad Peebler und Stuart Ferguson (Quelle : Luxology)

Allen Hastings, Brad Peebler und Stuart Ferguson (Quelle : Luxology)

Unterdessen hatte auch Allen seine kreativen Filmemacher-Fähigkeiten mit Kitbashing-Modellbau und geformtem Ton erweitert und jedes Einzelbild mühsam auf Super 8 aufgezeichnet, bevor er einen Commodore Amiga bekam, ein grosser Schritt in Sachen Grafik-Fähigkeiten gegenüber seinem alten PET. .. Er schrieb ein Rendering-Programm, aus dem schließlich VideoScape 3D werden sollte, erschuf aber immer noch seine Modelle, indem er sie auf Papier ausdruckte. Stuart ergriff die Chance, seinem Freund zu helfen : er wollte sich beim Thema GUI-Programmierung ausprobieren und kreiierte sein erstes 3D-Modellierungs-Programm. Dieses wurde schon bald von Aegis als ein Begleit-Produkt zu `VideoScape´ übernommen. Als Aegis dann unterging, wechselten die Beiden zu NewTek und erschufen LightWave 3D, wobei Allen am Layout und Stuart am Modeler arbeitete, da diese Bereiche jeweils ihren speziellen Fachgebieten entsprachen. Das Tüftler-Gespann konnte seine neue Software auch gleich für eigene Kurzfilmprojekte testen, nicht ohne Erfolg : Allen’s `Rush Hour´ wurde beim Animation Screening der SIGGRAPH 1990 präsentiert und Stuart’s `Titans Eternal´ wurde im Electronic Theater während der SIGGRAPH 1995 gesichtet. Peu a peu stiessen weitere Programmierer zum LightWave-Entwickler-Team hinzu, so auch Brad Peebler, der Allen und Stuart später überzeugen konnte, mit ihm gemeinsam etwas Neues anzufangen. So gründeten die drei gemeinsam mit einem kleinen Team von Ingenieuren, die sich alle gut kannten und heute noch zusammenarbeiten, eine neue Firma namens Luxology und erschufen schliesslich eine kompakte 3D-Anwendung, die auf einer flexiblen modernen Architektur basierte. Brad Peebler resümiert : Heute kennen wir dieses Programm als MODO, und der Rest ist, glaube ich, Geschichte. Wäre das alles ohne Star Wars passiert? Möglicherweise. Oder vielleicht auch nicht. Ich bin auf alle Fälle froh, dass es so gekommen ist!“

*Quelle : Brad Peebler / thefoundry.co.uk / gfxspeak.com

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